Denis Unger zu Gast bei Michel Birnbacher

Fotograf Denis Unger spricht im Leica Enthusiast Podcast mit Michel Birnbacher über sein Buch „Frankfurt ungeschminkt“, dokumentarische Fotografie, Leica M und Verantwortung.

Linksammlung
Internet: www.denis-unger.de
Instagram: https://www.instagram.com/denis.unger.official/

Buchvorstellung / Ausstellungen
https://denis-unger.de/lesungen-ausstellung-frankfurt-ungeschminkt/
auch im Leica Store Heidelberg!
Freitag, 16. Januar 2026, um 18:30 Uhr. [Link zur kostenfreien Anmeldung]

Fotografie mit Haltung: Denis Unger im Leica Enthusiast Podcast

In dieser Episode des Leica Enthusiast Podcast spricht Michel Birnbacher mit dem Fotografen und Autor Denis Ungerüber dokumentarische Fotografie, Verantwortung und sein Buch „Frankfurt ungeschminkt“.
Im Mittelpunkt steht eine fotografische Langzeit-Reportage aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel, die bewusst auf Effekte verzichtet und stattdessen auf Nähe, Zeit und Respekt setzt.

Der Podcast zeigt eindrucksvoll, wie Fotografie mehr sein kann als Technik – nämlich eine Haltung.

Wer ist Denis Unger?

Denis Unger ist Fotograf und Autor mit Wurzeln in der Werbe- und Auftragsfotografie. Über viele Jahre arbeitete er für Agenturen, fotografierte Produkte, Porträts und Kampagnen. Technisch perfekt – aber zunehmend entfremdet von dem, was ihn ursprünglich zur Fotografie gebracht hatte.

Der Wendepunkt kam, als er sich entschied, wieder frei zu fotografieren: ohne Kundenbriefing, ohne Vorgaben, ohne Kompromisse. Stattdessen mit dem Fokus auf echte Geschichten und reale Menschen.

Alltagsfotografie statt Streetfotografie

Im Podcast distanziert sich Denis bewusst vom Begriff Streetfotografie. Für ihn ist dieser Begriff inzwischen inflationär geworden. Stattdessen bezeichnet er seine Arbeit als Alltagsfotografie.

Dabei geht es nicht um Genres oder Etiketten, sondern um das Erzählen von Geschichten:

  • im öffentlichen Raum

  • in sozialen Brennpunkten

  • im ganz normalen Leben

Diese Offenheit ist die Grundlage für sein Buchprojekt „Frankfurt ungeschminkt“.

Frankfurt ungeschminkt – eine Langzeit-Reportage

Das Frankfurter Bahnhofsviertel gilt vielen als problematisch. Für Denis Unger ist es ein Mikrokosmos: multikulturell, widersprüchlich, hart – aber auch menschlich.

Über einen Zeitraum von rund 18 Monaten hat er das Viertel fotografisch begleitet. Er arbeitete:

  • mit Streetworkern

  • mit der Polizei

  • innerhalb der Drogenszene

  • im Rotlichtmilieu

  • im direkten Gespräch mit Betroffenen

Entstanden ist kein sensationsgetriebenes Fotobuch, sondern eine dokumentarische Reportage, die zeigt, was oft übersehen wird.

Nähe, Respekt und klare Grenzen

Ein zentrales Thema im Gespräch ist der ethische Umgang mit Fotografie. Denis macht deutlich:
Nicht jedes Bild darf gemacht werden – auch wenn es möglich wäre.

Viele seiner Bilder entstehen erst nach Gesprächen. Oft bleibt die Kamera bewusst unten. Persönlichkeitsrechte werden respektiert, Gesichter teilweise verpixelt. Für Denis bedeutet „ungeschminkt“ nicht schonungslos, sondern ehrlich und würdevoll.

Warum die Leica M?

Für das Projekt entschied sich Denis bewusst für die Leica M. Nicht aus Nostalgie, sondern wegen der reduzierten Arbeitsweise:

  • manuelles Fokussieren

  • bewusste Bildgestaltung

  • entschleunigtes Arbeiten

Fotografiert wurde überwiegend mit 35 mm und 15 mm, meist mit geschlosseneren Blenden. Die Menschen bleiben im Kontext ihrer Umgebung, nichts wird künstlich isoliert oder dramatisiert.

Die Kamera wurde dabei oft als Vertrauensfaktor wahrgenommen – sichtbar, klar als Werkzeug eines Fotografen erkennbar.

Begegnungen, die bleiben

Neben dem Bahnhofsviertel erzählt Denis auch von Begegnungen, die besonders prägend waren. Etwa die Geschichte von „Null“, einem Pfarrer, Drag-Performer und Familienmenschen aus dem Gallusviertel.

Diese Geschichten zeigen, wie vielschichtig Realität ist – und wie wichtig es ist, Menschen nicht auf ein Bild oder eine Rolle zu reduzieren.

Fotografie als Haltung

Diese Episode des Leica Enthusiast Podcast ist kein Technik-Talk. Sie ist ein Gespräch über Fotografie als Verantwortung. Über Zeit, Zuhören und darüber, wann man die Kamera auch einmal bewusst nicht benutzt.

„Frankfurt ungeschminkt“ ist damit nicht nur ein Fotobuch, sondern ein Statement für respektvolle, dokumentarische Fotografie – und für echtes Hinsehen.

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