Michel Birnbacher

Work The M. Read The Moment.

07.09.2026

FLANEUR: Die App, die sich an jeden Fotospaziergang erinnert

FLANEUR ist eine App für Street- und Reisefotografie: Routen tracken, Sessions dokumentieren, mit Challenge-Decks üben – im Einsatz bei meinen Workshops und Fotoreisen.

Wer regelmäßig zur Kamera greift und durch die Straßen zieht, kennt das Problem: Nach ein paar Wochen verschwimmen die einzelnen Spaziergänge zu einer diffusen Erinnerung. Genau hier setzt FLANEUR an – eine App, die ich künftig in meinen Workshops und auf meinen Fotoreisen einsetzen werde und die ich Ihnen in diesem Beitrag vorstelle.

Inhalt dieses Beitrags:

Wer steckt dahinter?

FLANEUR stammt von Feyzi Demirel, einem in Deutschland lebenden Street- und Dokumentarfotografen, der selbst seit Jahren mit Leica unterwegs ist. Manche von Ihnen kennen ihn vielleicht bereits – er war zu Gast im Leica Enthusiast Podcast und hat dort unter anderem über seinen Wechsel zwischen Leica M und SL2S sowie über seine Reisen nach Istanbul und Mosambik gesprochen.

FLANEUR ist als Ein-Personen-Projekt entstanden – aus dem ganz praktischen Bedürfnis heraus, die eigene fotografische Praxis besser festzuhalten und zu reflektieren.

Was macht die App?

Der Leitgedanke der App lässt sich mit einem Satz zusammenfassen: The street forgets. FLANEUR doesn’t. Die Straße vergisst – FLANEUR nicht. Konkret bedeutet das drei Dinge:

Dokumentation

  • Route automatisch aufzeichnen: GPS-Tracking mit Rücksicht auf den Akku, Export als GPX-Datei
  • Zu jeder Session festhalten: Anzahl Fotos, „Keeper-Rate“, Ort, Kamera, Objektiv, ggf. Film
  • Tagesnotizen und Sprachmemos, vollständig auf dem Gerät verarbeitet

Planung

  • Shot-Listen für Reisen und Ausflüge, Spots auf der Karte markieren
  • Ausrüstung – Kameras, Objektive, Filme – direkt in der App verwalten
  • Challenge-Decks: drei kostenpflichtige Kartensets – Street Deck, Licht & Schatten (Light & Shadow Deck) und Approach (Approach Deck) – mit insgesamt 104 fotografischen Aufgaben, dazu ein kostenloses Starterdeck (Starter Deck) zum Reinschnuppern (Details dazu weiter unten bei „Verfügbarkeit und Kosten“)

Motivation

  • Über 70 Badges, neun Meilenstein-Leitern, tägliche Streak-Anzeige
  • Golden-Hour-Widget auf dem Homescreen
  • Monatliche, teilbare Rückblicke
  • Kostenloser zehnteiliger Einstiegsguide für den Start

Mehr

In der App gibt es unter „Mehr“ noch ein paar zusätzliche Bereiche – zwei davon eher zum Schmökern, einer für die praktische Reiseplanung.

Wissensbereiche: Zitate-Bibliothek und GOATs

Als Hinweis, falls es beim Espresso in der Workshop-Pause mal langweilig wird – oder Sie einfach ein bisschen „klugscheißen“ möchten: FLANEUR hat zwei Wissensbereiche hinterlegt. Die Zitate-Bibliothek versammelt über 550 Fotografie-Zitate, die GOATs stellen 33 Kurzbiografien bekannter Fotografinnen und Fotografen vor.

Meine Ausrüstung

Unter „Mehr“ habe ich mir außerdem den Bereich „Meine Ausrüstung“ angelegt. Der Vorteil: Bei der Planung einer Reise kann ich direkt aus meiner bereits erfassten Liste auswählen, statt jedes Mal neu einzutippen. Wer noch keine eigene Liste hat, kann alternativ auf „Vorlage einfügen“ zurückgreifen – dort hat Feyzi bereits gängige Bezeichnungen wie zum Beispiel „ND-Filter“ für Sie vorbereitet.

Warum ich FLANEUR in Workshops und auf Fotoreisen einsetze

Gerade auf mehrtägigen Fotoreisen und in Workshops erlebe ich immer wieder, wie schnell der Überblick verloren geht: viele Locations an einem Tag, wechselnde Lichtstimmungen, unterschiedliche Ausrüstung. Am Ende weiß niemand mehr genau, wo welches Bild entstanden ist oder was an diesem einen Nachmittag so gut funktioniert hat.

FLANEUR gibt Teilnehmenden ein einfaches Werkzeug an die Hand: die Route des Tages, eigene Notizen zum Licht oder zur Szene, im Rückblick eine ehrliche Auswertung der eigenen Ausbeute. Die Challenge-Decks eignen sich zudem gut, um zwischen zwei Workshop-Terminen am Ball zu bleiben – ganz im Sinne von READ THE MOMENT: die Szene lesen, den Moment erkennen, auslösen.

Auch wenn Name und Ausrichtung der App klar auf Streetfotografie zielen: Route, Notizen und Spots festzuhalten funktioniert unabhängig vom Genre. Auch als reines Werkzeug, um unterwegs spontane Ideen und Bildideen zu sammeln, kann ich mir die App gut vorstellen.

Verfügbarkeit und Kosten

FLANEUR – Street Photography ist ausschließlich für das iPhone erhältlich (iOS 17 oder neuer) und in Englisch sowie Deutsch verfügbar. Die App selbst ist kostenlos, einzelne Challenge-Decks lassen sich optional freischalten (Stand der Recherche):

  • Starterdeck (Starter Deck, kostenlos): Acht Aufgaben zum Ausprobieren der Challenge-Mechanik – handverlesen aus dem Street Deck, damit man vorab spürt, wie sich die großen Decks anfühlen.
  • Street Deck (6,99 €): Das komplette Trainingsdeck mit 52 Aufgabenkarten zu Licht, Geduld, Sehen, Mut, Komposition, Beschränkung und Serie. Jede Karte trägt eine präzise Aufgabe, die Begründung dafür, eine Kategorie und einen Schwierigkeitsgrad von einem bis drei Balken – im Stil gedruckter Masterclass-Karten.
  • Licht & Schatten (Light & Shadow Deck, 3,99 €): 26 Aufgaben rund ums Licht – von der ersten Bestandsaufnahme der Lichtquellen einer Straße bis zur Übung, ein einziges Licht durch eine ganze Session zu tragen.
  • Approach (Approach Deck, 3,99 €): Das „Mut-Curriculum“ mit 26 Aufgaben in sorgfältiger Reihenfolge – vom unbemerkten Fotografieren über Grüßen und Fragen bis zum Umgang mit einem Nein und der Rückkehr mit einem echten Porträt.
  • Sonnenkompass (Sun Compass, 0,99 €): Zeigt Auf- und Untergang der Sonne als zwei Strahlen direkt auf der Karte, jeweils mit exakter Uhrzeit. Ein Kompassmodus dreht die Karte mit der eigenen Blickrichtung und zeigt so physisch, wo die Sonne aufgehen wird – hilfreich für die Frage, wo man stehen muss, wenn das Licht kommt. Auf- und Untergangszeiten selbst sind gratis, freigeschaltet wird die Richtungsanzeige.

Quelle: Angaben in der App FLANEUR, Stand September 2026.

Ihre Daten bleiben dabei privat in der eigenen iCloud – FLANEUR verzichtet laut Anbieter auf externe Server, Werbung und Tracking.

Sie finden die App im App Store unter „FLANEUR – Street Photography“.

Aktuell gibt es FLANEUR ausschließlich für iOS. Ob irgendwann auch eine Android-Version kommt, steht noch nicht fest – in einem Gespräch mit Feyzi Demirel klang das zumindest nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Eine konkrete Zusage oder einen Zeitplan dafür gibt es aber bislang nicht.

Praktische Hinweise

Ein praktischer Punkt zum Schluss: Durchgeführte Fotospaziergänge lassen sich in FLANEUR im Nachgang als sogenannte GPX-Datei exportieren. GPX ist ein offenes, weit verbreitetes Format für GPS-Tracks, das sich an vielen anderen Stellen wieder importieren lässt. Drei Beispiele:

Google My Maps

Laden Sie die exportierte GPX-Datei in Google My Maps hoch (über „Meine Orte“ → Reiter „Karten“ → „Karte erstellen“ → bei der Ebene „Importieren“ wählen), erscheint die komplette Route auf einer Karte, die Sie anschließend mit wenigen Klicks freigeben können – praktisch, um Workshop-Teilnehmenden im Nachgang zu zeigen, wo welches Bild entstanden ist, oder um eine Route vorab zu teilen.

gpx.studio

Wer es unkomplizierter mag, öffnet die Datei stattdessen im kostenlosen, quelloffenen gpx.studio direkt im Browser und sieht die Route sofort auf der Karte, ganz ohne Google-Konto.

Komoot

Wer ohnehin schon mit Komoot unterwegs plant, kann die GPX-Datei genauso dort importieren: am PC über das Profilmenü → „Geplant“ → „GPS-Datei importieren“, in der App über „Profil“ → „Geplant“ → „Importieren“ → „Datei importieren (GPX, FIT oder TXC)“. Der Vorteil gegenüber den beiden Kartentools: Komoot zeigt die Route nicht nur an, sondern lässt sie sich auch offline auf dem Smartphone navigieren – praktisch, wenn Sie oder Ihre Teilnehmenden eine bewährte Fotostrecke später eigenständig nachlaufen möchten.

Wunsch an die Entwicklung

Vorab: Möglicherweise gibt es die im Folgenden beschriebene Funktion in FLANEUR bereits, und ich habe sie bislang nur nicht gefunden. Falls nicht, wäre sie aus meiner Sicht als Workshop- und Reiseleiter eine sehr willkommene Ergänzung:

Export Reiseplanung

Ein Export der in der App gesammelten Informationen – etwa wichtiger Orte und Spots –, um diese den Teilnehmenden einer Fotoreise vorab zur Verfügung zu stellen.

Export Packliste

Genauso praktisch fände ich es, eine in FLANEUR angelegte Packliste exportieren und direkt an die Gruppe weitergeben zu können, statt sie an anderer Stelle noch einmal zu erfassen.

Fazit

FLANEUR ersetzt kein gutes Auge und keine Übung vor Ort. Aber sie macht sichtbar, was sonst schnell verloren geht: die eigene Entwicklung als Fotografin oder Fotograf über Wochen und Monate hinweg.

Für alle, die ihre Streetfotografie aber auch Reisefotografen nicht nur betreiben, sondern auch bewusst reflektieren möchten, ist die App einen Blick wert.

Ich freue mich darauf, sie in kommenden Workshops und auf meinen Fotoreisen vorzustellen – und bin gespannt auf Ihre Erfahrungen damit.

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